Bern verliert an Papier
Die Nachricht der Woche in der Schweizer Medienszene: Die Zürcher Tamedia kauft die Berner Espace Media Group. Der Nachhall auf dem Papier und im Netz war gewaltig (1, 2, 3, 4, 5, 6).
Über die Folgen dieser Übernahme herrscht spekulatives Flirren; dass jedoch etwas passieren wird, darüber herrscht einhelliger Tenor. Einen interessanten Ansatz entnimmt Grafiker und Szenenkenner Stefan Schaer dem Bärenkauf der Tamedia: Er sieht die Chancen einer Online-Zeitung für den Grossraum Bern, vor allem im Falle eines Ablebens der Espace-Zeitung “Der Bund”, deutlich steigen. Und der gegenwärtige Trend auf dem Zeitungsmarkt spielt seiner Vorahnung in die Hände.
Vorab entstehen in der Schweiz immer grössere Verlagskonglomerate, die ihre Produkte grossräumig konzipieren und vertreiben. Regionales wird zur Last und “rentiert” schlecht. Da diese Papierelefanten den Inseratemarkt praktisch leer saugen, bleibt der nächstkleineren Konkurrenz oft das Nachsehen. Nur qualitative hochstehende Lokalzeitungen können dieser Phalanx trotzen, sehen sich jedoch einem brancheneigenen Problem ausgesetzt: Ihre Leserschaft ist überaltert und Neuabonnenten anzulocken ist teuer und aufwändig.
Doch Meinungsmonopole (beispielsweise die AZ im Mittelland oder LZ in der Zentralschweiz) stossen nicht auf vollendete Gegenliebe. So gut sie ihren Job auch machen, sie können eines nicht ersetzen: Die Möglichkeit einer zweiten Meinung.
Dem allgemeinen Zustand der Papier- und Druckereibranche nach zu urteilen, haben die immer mächtigeren “Elefanten” von dieser Seite keine ökonomisch stabile Konkurrenz zu befürchten. Bleibt also das Internet, das im Moment zwei Drittel der Schweizer Haushalte erreicht. Tendenz steigend. Wenn Stefan Schär also die Frage nach einer Online-Zeitung in Bern stellt, stellt er sie stellvertretend für mehrere Städte und Regionen in der Deutschschweiz.







